Calw. Dodo Wartmann hat auf Einladung der Berufsfachschule für Altenpflege des Diakonischen Instituts aus ihrem Buch „Blaues Edelweiß“ gelesen.
Darin schildert sie eindrucksvoll ihre Erfahrungen mit ihrem an Demenz erkrankten Mann, der im November 2017 verstarb. Sie hat das Buch unter dem Pseudonym Mara Blum herausgebracht.
Die Auszubildenden waren emotional berührt und ergriffen von den Erzählungen und tief beeindruckt von der Offenheit Wartmanns.
„Wir kannten uns seit der Schule und waren über 40 Jahre verheiratet. Durch die Demenz erkannte er mich nicht mehr als seine Ehefrau. Das tat sehr weh und ich war traurig.
Ich dachte, er mag mich nicht mehr. Ich habe seine Veränderung auf mich bezogen, niemand hat mir zu Beginn gesagt, dass mein Mann krank ist und Demenz hat.“ Minuten später stand er vor ihr und umarmte und küsste sie liebevoll. „Du bist die Frau, ohne die ich nicht leben kann.“
Ihr Mann war Biologe und Spezialist für Pflanzen.
Am Gotthard gingen sie spazieren, als er zu seiner Frau sagte: „Schau, alles voll mit blauem Edelweiß.“ Dodo Wartmann widersprach ihm nicht, auch wenn doch jeder weiß, dass Edelweiß weiß ist und nicht blau. Er hatte es vergessen.
Nach diesem Ereignis gab sie ihrem Buch den Titel “Blaues Edelweiß“.
Ungeschönt erzählt sie von der Odyssee, die sie von anfänglich vagen Vermutungen bis zur Diagnosestellung Demenz erlebt hat.
Viele Schwierigkeiten und Steine musste sie überwältigen, ihr Alltag und ihr Zusammenleben veränderten sich kolossal.
Es gab auch viele schöne Momente in der Zeit der Begleitung ihres Mannes. Als seine verbale Kommunikation sich immer weiter einschränkte, begann Frau Wartmann mit ihrem Mann zu malen. Als ausgebildete Gestalttherapeutin führte sie ihn dabei durch gezielt gesetzte Impulse wie Reime, Finger- und Bewegungsspiele. „Durch seine Bilder konnte ich etwas mehr in seine Welt blicken.“ In einem Begleitheft „Ein Alzheimer-Patient malt“ hat Wartmann einige Ergebnisse der „geführten Malerei“ dokumentiert.
Für die Auszubildenden war diese Lesung eine Bereicherung.
„Wir haben zwar jeden Tag mit dementiell erkrankten Bewohnern und Patienten in den Einrichtungen zu tun, und sind sehr gut geschult im Umgang mit dieser Erkrankung. Aber die Schilderungen von einer pflegenden Angehörigen so zu hören, war für uns noch mal ein Perspektivenwechsel. Angehörige sind mit der Diagnose Demenz häufig überfordert und sie brauchen professionelle Unterstützung in Form von Beratung, Begleitung und bei der Pflege. Der Besuch von Frau Wartmann hat uns nochmal aufgezeigt, wie wichtig es ist, mit den Angehörigen in einen engen Austausch zu gehen und ihnen zur Seite zu stehen.“
Dodo Wartmann ist es ein Anliegen, über ihre Erfahrungen mit Demenz zu sprechen und zu berichten. Sie verarbeitet dadurch auch die schwere Zeit.
Sie gibt pflegenden Angehörigen eine Stimme, die oft nicht wissen, wie sie die Veränderungen, die Demenz mit sich bringt, in Worte fassen können.
„Als Ehepartner oder nahestehender Angehöriger hat man nicht die Distanz wie professionelle Pflegekräfte, man verliert sich leicht, Gefühle der Hilflosigkeit, Ohnmacht, Verzweiflung und Wut kommen auf. Irgendwann ist man selbst am Ende und funktioniert doch weiter und ich bin froh, dass es noch Menschen gibt, die den Beruf als Pflegefachkraft ergreifen.“

2019 Blaues Edelweiß